"Der Duft der Erinnerung"
Es war ein kühler, aber sonniger Frühlingsmorgen, als Martha zum ersten Mal in diesem Jahr die Fenster ihres kleinen Hauses am Waldrand öffnete. Der Duft von feuchtem Moos, frischer Erde und dem nahen Flieder kam sofort in die Küche geströmt. Sie schloss die Augen und atmete tief ein.
Martha war siebenundsiebzig Jahre alt. Ihr Haar war schneeweiß, zu einem lockeren Knoten gebunden, und ihre Hände trugen die Geschichten eines langen Lebens in sich - Falten, kleine Narben, aber auch eine Ruhe, die man nur findet, wenn man vieles gesehen hat. Ihr Haus war klein, mit schiefen Dielen, niedrigen Decken und einem Garten, der in wilder Schönheit blühte. Ein Apfelbaum stand neben der Terrasse, die sie „ihr Königreich" nannte.