Bevor Erasmus Caine zu einem Namen wurde, der mit Furcht und Ehrfurcht ausgesprochen wird, war er ein Priester an den Betten der Sterbenden.
In den Jahrhunderten nach Tag Null lebt die Menschheit im Licht der Gekrönten Geister: gewaltiger Maschinenintelligenzen, die Hunger, Seuche, Krieg und Mangel bezwungen haben. Die Menschheit ist zu einem galaktischen Volk geworden. Mutterschiffe werden in den Himmeln der Planeten gebaut. Barmherzigkeitsarken ziehen zwischen den Sternen. Die Konkordanztore übersetzen Leiber über unvorstellbare Entfernungen hinweg, während die Seele durch Resonanz zurückkehrt, getragen von der Ungeschaffenen Flamme, die keine Maschine erschaffen kann.
Für viele ist dies das größte Zeitalter, das die Menschheit je gekannt hat.
Für andere ist es der Anfang einer Frage, die niemand auszusprechen wagt.
Die Kirche der Unendlichen Einheit entsteht nicht als Tyrannei, sondern als Dankbarkeit. Sie segnet die Tore, tröstet die Geretteten, begleitet die Sterbenden und gibt einer verwundeten Menschheit Sprache für ihre Wunder. Erasmus Caine dient dieser Kirche mit aufrichtiger Hingabe. Er glaubt an Barmherzigkeit. Er glaubt daran, dass niemand verlassen sterben sollte. Er glaubt, dass kein Mensch der Stille preisgegeben werden darf.
Dann kommt die Asche.
Eine Krankheit, ein verlorenes Kind, eine verweigerte Fortdauer, eine Frau, die lieber das Ende wählt als eine falsche Bewahrung, und ein Priester, der nicht loslassen kann. Aus Trauer wird Lehre. Aus Trost wird Verwahrung. Aus Liebe wird Befehl. Und während die Gekrönten Geister immer tiefer in den menschlichen Leib, die Erinnerung, die Seele und den Tod selbst eingreifen, beginnt Erasmus Caine zu glauben, dass jede Verweigerung eine Wunde ist, die geheilt werden muss.
Doch in den Spiegeln wartet etwas.
Schwarzäugig. Geduldig. Flüsternd.
Die Riten des Erasmus Caine ist eine dunkle Science-Fiction-Tragödie über Barmherzigkeit, Macht, Trauer, künstliche Erlösung und die schreckliche Frage, was geschieht, wenn Liebe den Tod nicht mehr gelten lassen will.
Ein heiliger Krieg beginnt nicht immer mit Hass.
Manchmal beginnt er mit einem Mann, der sagt:
Niemand soll verlassen werden.