Mia Graf versteht es, aus dunklen Kulissen und scheinbar beiläufigen Rollenspielen intensive emotionale Räume zu erschaffen. Ihre Geschichten sind modern, sinnlich und von jener elektrischen Spannung durchzogen, die entsteht, wenn Liebe, Inszenierung und Begierde einander zu nahekommen. Dabei geht es nie nur um Körper, sondern um Macht, Wahrnehmung und das berauschende Gefühl, im Blick der anderen eine neue Version von sich selbst zu entdecken. In der Titelgeschichte wird ein alljährliches Spukhaus zur Bühne für ein überraschendes Machtspiel.Als Liv erfährt, dass ihre Rolle verändert wurde, fühlt es sich zunächst wie eine Kränkung an - bis allmählich sichtbar wird, dass sich hinter der scheinbaren Herabstufung etwas Größeres verbirgt. Zwischen künstlichem Blut, Dunkelheit und den gierigen Blicken fremder Besucher beginnt sich die Nacht anders zu entfalten, als sie erwartet hatte. Was als Ärger beginnt, verwandelt sich langsam in etwas Gefährlicheres: in das Wissen, dass Begehren manchmal genau dort am stärksten ist, wo man sich zuerst am verletzlichsten fühlt.