In ihrer wissenschaftsgeschichtlich, praxeologischen Studie betrachtet Malin S. Wilckens das Sammeln und Vergleichen menschlicher Schädel dreier zentraler vergleichender Anatomen: Johann Friedrich Blumenbach, Samuel George Morton und Paul Broca. Dabei wird eine gewisse Kontingenz der 'Rassen'-Theorien deutlich - das Sammeln beeinflusste das Vergleichen und die Klassifikation. Verschiedene Wissenspraktiken förderten den "Erfolg" von 'Rassen'-Theorien: Die spätaufklärerisch-koloniale Praxis der Schädelforschung ging in eine imperiale und später nationale Wissensproduktion über, die bis in heutige Rassismen wirkt. Nutzten Anatomen den 'Rasse'-Begriff zunächst für kontinentale Menschengruppen, wurde er im 19. Jahrhundert für regionale Gruppen und zur binnenkontinentalen Differenzierung eingesetzt. Beide Fokusse bedingten eine asymmetrische Beziehung Zentraleuropas und der USA mit anderen Teilen der Welt. Das globale Sammeln menschlicher Schädel beeinflusste maßgeblich die 'Rasse'-Klassifikationen.